Die Geburt aus der Sicht des Vaters

Wo soll ich anfangen? Am besten beim gestrigen Tag – den 9. März 2010 – der Tag nach dem errechneten Termin. Da der kleine am Freitag auf 4200g geschallt wurde und sehr viel Fruchtwasser vorhanden war empfahl der Frauenarzt nicht zu lange über den ET zu gehen. Darauf hin haben wir mit der Hebamme beschlossen, dass am Dienstag – 9. März – ein wenig nachgeholfen wird, sprich eingeleitet. Dafür habe ich die werdende Mutter um 8 Uhr in das Alfried Krupp Krankenhaus gebracht und und bin dann selbst, nach einem kurzen Aufenthalt, zur Arbeit gefahren.

Die Arbeitszeit war geprägt durch nervöses Warten auf den einen Anruf: „Es geht los!“. Während ich in einem Meeting war bekam Bianca dann auch ein Gel, welches die Wehen anregt – was auch nach und nach erfolgreich funktionierte. Die Wehen kamen und gingen und um 15:35 Uhr bekam ich die Nachricht, dass schon Fruchtwasser kam. Ich sah zu, dass ich meine Sachen fertig gemacht habe und bin dann auf schnellstem Wege ins Alfried Krupp Krankenhaus gefahren um ihr beizustehen. Als ich da war kamen die Wehen schon mehr oder weniger regelmäßig und sichtbar immer schmerzhafter. Wir spazierten ein wenig herum und machten uns schon die ersten Gedanken wann es wohl richtig los geht. Um 18 Uhr war es dann mit den Wehen so regelmäßig und schmerzhaft, dass wir noch mal den Kreißsaal aufsuchen, wo dann noch mal ein CTG geschrieben wurde und der Muttermund mit ca. 3cm gemessen wurde. Es war dann 18:50 Uhr als wir unsere Beleghebamme Sonja Eichholz angerufen haben ihr diese Nachricht überbracht haben, sie machte sich dann auf den Weg zu uns ins Krankenhaus.

Auch werdende Väter brauchen Kraft

Da mich der Hunger plagte überlegte ich woher ich wohl etwas genießbares zu Essen bekomme, dann kam uns die Idee den Michel anzurufen, er wusste etwa um unsere Lage und war Gott sei Dank so nett und hat mir ein leckeres Sub vom Subway vorbei gebracht – danke noch mal!

Sonja war da, das Sub auch und zwischen dem Wehen veratmen konnte ich immer mal wieder ein Biss nehmen um mich zu stärken. Bianca bekam stattdessen eine Infusion mit „Schnitzel, Pommes Majo“ und ein wenig gegen die Schmerzen die immer mehr zunahmen.

Was tun um die Schmerzen erträglich zu machen?

Wir versuchten es um 20:30 Uhr mit einer angenehm Badewanne, die Linderung der Wehen war allerdings nur von kurzer Dauer um 21:30 Uhr waren wir wieder im eigentlichen Kreißsaal und gingen die Sache mit der PDA durch, welche dann auch um 22:10 Uhr von einem Anästhesie Arzt beim ersten Anlauf erfolgreich gelegt wurde. Das half erst mal gegen die Schmerzen, die Wehen wurden auch noch stimuliert, damit das große Köpfchen genug Druck nach unten ausüben kann.

Augen zu und durch

Zusammen mit der dienst habenden Ärztin wurde noch mal der Muttermund getastet und wo das Köpfchen von dem Kleinen liegt. Der Muttermund öffnete sich weiter aber der Kopf war nicht richtig am Becken angedockt, ein Ultraschallgerät wurde herbei geschafft und dann haben wir gesehen, dass immer noch sehr viel Fruchtwasser da ist und der Kopf mit dem Gesicht voraus liegt. Für eine Natürliche Geburt eines großen Kindes eher ungeeignet.

Inzwischen war es der 10. März, ein Versuch durch das gezielte öffnen der Fruchtblase den Kopf noch zu drehen scheiterte allerdings, dadurch war nun auch die letzte Chance auf eine natürliche Geburt genommen. Wir besprachen alles mit der Hebamme und der Ärztin und entschieden uns zusammen für einen Kaiserschnitt.

Der Kaiserschnitt

Mir wurde angeboten bei dem Kaiserschnitt am Kopfende neben meiner Frau zu sitzen und ihr die Hand zu halten, auch auf die Gefahr hin, dass ich zusammenklappen würde nahm ich dieses Angebot an. Ich musste mir grüne OP-Klamotten anziehen und noch in dem Warteraum warten. Währenddessen hörte ich aus dem OP-Raum wie Bianca auf die OP vorbereitet wurde, der nette Anästhesie Arzt von Vorhin spritzte wieder seine Mittelchen und unterhielt sich mit ihr über die Mundarten des Ruhrgebietes.

Nach unzähligen Minuten durfte ich dann kurz vor 2 Uhr  auch in den OP-Raum und wurde zum angesprochenen Kopfende begleitet wo ich Biancas Hand hielt und versuchte ihr immer gut zuzureden. Das es ihr nicht immer leicht fiel machte es für mich aber auch nicht unbedingt leichter. Aber um 2:03 Uhr schallten ein paar kräftige Schreie durch den OP und der kleine Alexander erblickte das Licht des OP-Raums und damit dieser Welt.

Sonja, unsere Beleghebamme, brachte den kleinen sofort zu uns und wir waren in diesem Moment glaube ich die glücklichsten Menschen dieser Welt. Nach kurzer Zeit wurde der kleine Aber wieder zum Waschen und fertig machen mit raus genommen und bei Bianca wurden die Schnitte genäht und alles wieder fertig gemacht. In der Zeit konnte ich mit dem kleinen im Kreißsaal Haut an Haut kuscheln und er machte sich schon prächtig auf meinem Oberkörper breit. Er machte auch da weiter wo er im Bauch mit aufgehört hat, strampeln und ein wenig boxen.

Dann wurde er gemessen und gewogen und für die U1 vorbereitet.

Ein Wiedersehen mit Freudentränen

Um kurz vor 3 Uhr kam Bianca dann in ihrem Bett rein gerollt und bekam den kleinen auch auf die Brust gelegt, hier fing er dann direkt an mit dem Konsumieren von Muttermilch. Nach ein paar Minuten trinken kam dann auch die U1 und der Zuckertest, weil er so groß war, außer ein wenig Unterzucker war alles in Ordnung, das konnte er aber mit weiteren kräftigen Schlücken von der guten Milch schnell wieder kompensieren.

Der Papierkram wurde ausgefüllt:

Name: Alexander
Datum: 10.03.2010
Uhrzeit: 2:03 Uhr
Gewicht: 4360g
Größe: 55cm
Kopfumfang: 39cm

Ein Fußabdruck wurde noch genommen und als Bianca dann auf das Zimmer kam war es auch schon kurz vor 5 Uhr. Ich verabschiedete mich noch und machte mich dann auf den Weg nach Haus.

Der wohl schönste und längste Tag meines Lebens!

Veröffentlicht von Christian

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