Loveparade Duisburg: Eine vorprogrammierte Tragödie

Ich habe mich heute gefreut die Loveparade in Duisburg im WDR sehen zu können. Der WDR wollte knapp fünf Stunden live von der Loveparade in Duisburg berichten, bei Stillleben haben sie es leider nur auf dreißig Minuten gebracht – aber das ist ein anderes Thema.

17 Tote, dutzende Verletzte

Als Thomas Bug dann die tragische Nachricht verkündete, war es wie ein Schock für mich, ich selbst war schon vier mal auf der Loveparade – '98, '99 und 2000 in Berlin und 2007 in Essen. Jedes mal war es eine riesen Party, wo über eine Millionen Menschen gefeiert haben und alle ihren Spaß hatten. Auf den vier Loveparades hatte ich nie das Gefühl nicht sicher zu sein oder nicht dahin gehen zu können, wo ich hin will oder anders gesagt man hätte überall – auch von direkt an der Siegessäule konnte man eigentlich immer und jeder Zeit mit wenig Gefahr in ruhigere Gebiete – z.B. den Tiergarten in Berlin oder in Essen in die Innenstadt abhauen. Ein Bild welches es schön illustriert, habe ich noch bei Twitter gefunden.

Das Gelände in Duisburg, ein von Autobahn und Eisenbahn eingekesseltes Areal. war schon vor dem Unglück ein wenig in der Kritik, auch wenn die Macher die Lokation für fast Ideal hielten. Lediglich eine Warnung, dass man nicht in FlipFlops kommen sollte gab es. In den Kommentaren wurden schon früh Stimmen laut, dass das Gelände maximal 500.000 Personen fassen würde und die Tunnel nicht mehr als 60.000 Besucher pro Stunde verkraften. Einer kommentierte am Donnerstag, dass der Tunnel zu einer Falle werden würde – er sollte leider recht behalten.

Laut dem Krisenstab kam es zu dieser Tragödie nicht durch einer Massenpanik im Tunnel, sondern weil Zuschauer über Zäune, Leitern und Treppen „illegal“ auf das Veranstaltungsgelände wollten. So kann man das natürlich auch nennen. Viele Augenzeugen berichteten, dass sie bis zu zwei Stunden in dem Tunnel standen und nichts vorwärts ging – in so einer Situation ist das Suchen nach Auswegen sicher verständlich. Bei so einem Hexenkessel und den Optionen zu Klettern schien das für einige wohl der einzige Ausweg. Auf der Loveparade in Berlin sind höchstens mal welche auf die Laternen geklettert um da oben zu feiern – dabei gab es sicher auch den ein oder anderen Knochenbruch, aber nichts gegen das was da heute in Duisburg passiert ist.

Es ist gespenstig die Bilder im WDR zu sehen und die Rettungshubschrauber zu hören, die hier auch über Essen hin und her fliegen – als eigentlicher Fan der Loveparade bestürzt mich das sehr. Eine Veranstaltung dieser Größenordnung auf einem von Autobahn und Gleisen umringten Gelände zu genehmigen und zu veranstalten, ist schon ein starkes Stück. Ich hoffe, dass nicht noch mehr passiert und die Verantwortlichen dafür bestraft werden – auch wenn das keinem der bis jetzt 17 Toten hilft.

Das war dann wohl die letzte Loveparade. Hier gibt es noch mehr Gedanken und Links zum Thema.

Veröffentlicht von Christian

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12 Kommentare

  1. Pingback: Scheisse: Mehr als 10 Tote bei der Loveparade in Duisburg, viele Verletzte aufgrund einer Massenpanik (aktualisiert: 21:20 Uhr) » Pottblog

  2. es wurde tage davor massiv vor dem tunnel gewarnt, nichts ist passiert = totalversagen von seite der leute, die für die sicherheit verantwortlich waren.

  3. Pingback: Loveparade Duisburg: The Day After » Regional » Lelei 2.0

  4. Morgen an die Lelei,

    Ich habe mehrere Jahre direkt neben dem Gelände gearbeitet und konnte/kann mich der Faszination die diese Location auf mich ausübt nicht frei sprechen. Ich war auch mal in dem Gebäude – spannend! Aber das ist ein anderes Thema.
    Als ich davon erfuhr wo in DU die LoPa stattfinden sollte hat es mich schon etwas erstaunt. Ja das Gelände ist riesig, und die anliegende A59 bewusst zu sperren und als Evakuierungsraum für das Veranstaltungsgelände zu nutzen sinnig. Dieser Punkt hat ja auch funktioniert.
    Das der Zugang durch den Tunnel erfolgt war mir bis gestern nicht bekannt. Ich war immer davon ausgegangen das der Zugang an mehreren Stellen erfolgen würde und vor allem über die andere Seite des Geländes.

    Was bei mir immer wieder einen sehr faden Beigeschmack hervorruft liegt schon etwas weiter in der Vergangenheit. Ich erinnere mich noch daran das es vor nicht all zu langer Zeit noch hieß ‚die Stadt Duisburg wird die LoPa auf Grund der mehr als angespannten Haushaltslage nicht austragen können‘. Dann hat man offensichtlich doch das Geld zusammen bekommen und nun eine Tragödie. Da besteht sicherlich kein direkter Zusammenhang aber der Gedanke ist halt da.

    Markus

      • @Christian

        Nein – ich habe letzte Woche auf der A40 im Bereich der U-Bahn Haltestelle Bresslauer Str gut 45″ in einem Pulk gestanden wo es weder vor noch zurück ging und seitlich auch kein Ausweg war. Das fühlte sich sehr unbehaglich an. Alleine vor dieser Erfahrung wäre ich dann nicht mehr dort hin gegangen.

        Markus

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